Ostwestfalen

Was oder wo ist eigentlich dieses Ostwestfalen?

 

Ostwestfalen - Lippe, kurz OWL, ist der Nordöstliche Zipfel von Nordrhein - Westfalen und das wiederum, der Vollständigkeit halber und mit Blick auf die Pisa-Studie sei es erwähnt, eins der alten Bundesländer. Durchzogen wird OWL von einem Höhenzug, dem Teutoburger Wald. Holländer halten ihn für ein Gebirge, Tiroler eher für ne Bodenwelle.

 

Auf jeden Fall hat im 9. Jahrhundert ein gewisser Hermann der Cherusker den Römern den Hintern versohlt, also sind die Ostwestfalen sowas wie die germanischen Gallier.

 

Heute gibt es hier sowas wie zwei mehr oder weniger verfeindete Stämme, die Ostwestfalen und die Lipper. Sagt man den Lippern nach ein kleines, geiziges Bergvolk zu sein, vermutet man beim Ostfestfalen das er zum Lachen in den Keller geht. Das kann nur bedingt bestätigen, aber der Ostwestfale ist vermutlich das genaue Gegenteil der rheinischen Frohnaturen aus dem Köllner Raum.

 

Ostwestfälisch für Anfänger:

 

Zunächst mal sei erwähnt, das es hier nicht um das ostwestfälische Plattdeutsch geht. Das sprechen eh nur Leute mit denen man garnicht reden will und abgesehen davon versteh ich das selber nicht. Hier geht es vielmehr um das was allgemein und täglich in Ostwestfalen gesprochen wird.

 

Geographisch liegt Ostwestfalen zwischen dem Ruhrgebiet und der Stadt Hannover. In Hannover soll ja das reinste Hochdeutsch überhaupt gesprochen werden und wie man im Ruhrpott redet kennt man ja zum Beispiel aus den Manta-Filmen. Daraus ergibt sich das Menschen die der deutschen Sprache mächtig sind ostwestfälisch eigentlich problemlos verstehen.

 

Es gibt dennoch einige Besonderheiten, wenn auch kein Vergleich zu bayrisch, sächsisch oder dem Kaudawelsch das man in Franken spricht.

Beispiele hierfür währen unter Anderem einige „Universalwörter” die dazu dienen Gegenstände deren richtige Bezeichnung einem gerade entfallen ist, zu benennen. Beim persönlichen Gespräch mit vorhandenem Gegenstand kann man einfach drauf zeigen und „da” sagen, in vielen Gesprächssituationen ergibt sich diese Möglichkeit jedoch nicht.

 

Es gibt hier beispielsweise „Gedöns”.

Gedöns bezeichnet eine Ansammlung nicht klar zu definierender Gegenstände. So bezeichnet man in der ostwestfälischen Küche eine Besteckschublade zwar als Besteckschublade, die Schublade daneben in der sich Bindfaden, Thermometer, Maßband, Schraubendreher, Zange und was weiß ich befindet als „Gedönsschublade”.

 

Alternativ zu Gedöns gibt es hier auch „Zeuch”, abgeleitet von Zeug.

Im allgemeinen verwendet man Gedöns eher für feste Gegenstände und Zeuch für Klebstoffe, Fette, Farben und Lacke, Säuren und Laugen, Waschmittel und vergleichbares.

 

Ebenfalls oft benutzt ist das Wort „Pömpel”.

Als Pömpel bezeichnet man einen länglichen Gegenstand, oft zylindrisch aber nicht zwingend. Ein Beispiel hierfür wäre ein Verkehrsleitpfosten, in anderen Sprachräumen auch als Poller bezeichnet. Nur ist Pömpel universeller als Poller, gilt auch für ein längliches Stück Holz, mechanische Anschläge in Maschinen etc.

 

Noch universeller und für Gegenstände jedweder Form verwendbar ist das „Dingens”, bedeutet nichts anderes als Ding. Wie diese Universalwörter verwendet werden mal am Beispiel eines Pümpels. Keine Ahnung was ein Pümpel ist? Entweder bei Wikipedia nachschauen oder mit folgender Ostwestfälischen Erklärung versuchen:

 

Also zunächst ist ein Pümpel mal ein Pömpel, nur hilft uns das erstmal nicht wirklich weiter. Nun gibt es die Möglichkeit verschiedene Universalwörter miteinander zu kombinieren. Demnach wäre ein Pümpel ein Pömpel mit nem Dingens dran. Zugegeben, viel schlauer sind wir immer noch nicht. Das Ganze können wir jetzt durch die Angabe diverser Eigenschaften ergänzen:

Also ist ein Pümpel ein Holzpömpel mit so nem roten Gummidingens dran. Wenn wir jetzt noch auf Funktion beziehungsweise Verwendungszweck eingehen wird die Sache langsam klar: Ein Pümpel ein Holzpömpel mit so nem roten Gummidingens dran um Abflüsse frei zu machen!

 

Unterstüzen wir das gesprochene jetzt noch durch eine Geste in dem wir mit beiden Händen einen imaginären Stab greifen und diesen scheinbar auf und ab bewegen müsste eigentlich alles klar sein. Nicht? Dann doch Wikipedia.

 

Natürlich dienen die einzelnen Schritte nur der verdeutlichung der Funktionsweise besagter Universalwörter. Der gemeine Ostwestfale ansich würde sich natürlich auschließlich der letzten Variante inkluisve Geste bedienen und so deutlich schneller ans Ziel kommen.

 

In einigen Fällen kann es im Eifer des Redeschwalls jedoch vorkommen das ein Ostwestfale sich in weiten Gesprächsteilen ausschließlich der Universalwörter bedient und so komplett unverständliches Zeuch sabbelt. Besonders dann wenn die tatsächliche Bedeutung der einzelnen Universalwörter nicht aus dem Gesprächszusamenhang erkenntlich ist. In solchen Fällen ist es durchaus legitim den Redner darauf hinzuweisen und auf genauere Begriffserklärung zu bestehen - oder man lässt ihn einfach sabbeln und nickt hin und wieder zustimmend, das geht auch...

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